Waldtypen in NRW (Dr. Norbert Asche, AFZ 2004)

Waldtypen können als gesetzmäßig von ihrer Umwelt abhängige, konkurrenzbedingte Kombination von Pflanzenarten im Wald verstanden werden. Hierdurch wird gleichzeitig das Potenzial der Wuchskräfte des jeweiligen Standortes bzw. Ökotops gekennzeichnet.

Zwischen den Standortfaktoren (u.a. Lage, Klima, Boden, Nutzungsgeschichte) und dem Waldtyp besteht eine enge Verbindung. Daher können heutige natürliche Waldtypen innerhalb eines Klimabereiches am jeweiligen Ort mithilfe dieser Faktoren abgeleitet werden. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass Waldtypen keine statischen Einheiten sind, sondern dass die natürliche Dynamik der Wälder (ohne oder auch mit menschlichen Eingriffen) diese ständig weiterentwickelt. Das bedeutet, dass die Beschreibung von Waldlandschaften nur eine Momentaufnahme dieser ständigen Entwicklung ist.

Ihre Gliederung erfolgt mithilfe ökologischer, geologisch bodenkundlicher Gesichtspunkte und der Dominanz der Baumarten. Dieses Vorgehen ist dadurch begründet, weil dominante Baumarten die jeweiligen Waldtypen prägen, eine bessere Abgrenzung und Benennung der Waldtypen möglich ist und neue Erkenntnisse besser berücksichtigt werden können, als wenn die Gliederung nach rein floristischen, soziologischen oder standörtlichen Kriterien erfolgt wäre. Auf regionaler Ebene können diese Waldtypen weiter gegliedert werden, z.B. in eine reiche, typische oder arme Variante.

Die Waldtypen

Waldmeister-Buchenwälder sind auf nährstoffreichen Standorten großflächig in Ostwestfalen und dem Kernmünsterland verbreitet. Kleinflächig ist die Gesellschaft auch auf basenreichen Gesteinen im Sauerland, Bergischen Land, Siebengebirge und der Eifel anzutreffen.

Flattergras-Buchenwälder kommen auf mesotrophen Böden vor und haben ihren Verbreitungsschwerpunkt im bereich der Paderborner Hochfläche, des Weserberglandes und im Kernmünsterland

Hainsimsen-Buchenwälder kommen auf armen bis mesotrophen Standorten der Mittelgebirge (Sauerland, bergisches Land, Eifel, Weserbergland) vor. Sie nehmen in verschiedenen Ausprägungsformen die größte Fläche in NRW ein.

Montane Buchenwälder teils mit Fichte sind in den montanen Höhenstufen beheimatet und gehen in tieferen Regionen fließend in die Hainsimsen-Buchenwäldern über.

Eichen-Buchenwälder teils mit Kiefer kommen gerade auf trockenen Standorten vor. Sie liegen meist kleinflächig auf nährstoffarmen Dünen im Münsterland, dem Niederrheinischen Tiefland und der Niederrheinischen Bucht.

Eichen-Buchenwälder sind in der planaren Höhenstufe auf Flugsanden und sandigen Ablagerungen der Flüsse verbreitet.

Drahtschmielen-Buchenwälder wurden dort ausgewiesen, wo Löss für die Bodenbildung ansteht.
Dieses Vorgehen ist dadurch begründet, dass die überwiegende Zahl der aus Löss entwickelten Böden unter Wald basenarm sind und sie eine saure Bodenreaktion aufweisen. Damit ist der mesotrophe Bodenzustand für hier sonst zu erwartende Flattergras-Buchenwälder nicht mehr gegeben. In Höhen über 150m über NN gehen diese Wälder fließend in die Hainsimsen-Buchenwälder höherer Lagen über.

Stieleichen-Hainbuchenwälder haben mit ihren verschiedenen Ausprägungen ihre Verbreitungsschwerpunkte auf staunassen Böden des West- und Kernmünsterlandes und nördlich einer Linie Espelkamp-Minden.

Wälder der Bach- und Stromauen (u.a. Erlen-Eschenwald, Eichen-Eschen-Ulmenwald, Silberweiden Auenwald) kommen überall in NRW im Bereich der Bäche und Flüsse vor. Große Flächen nehmen die Gesellschaften in den Auen von Rhein, Weser, Lippe, Ems, Rur, Erft, Ruhr und Niers ein.

Moore und Bruchwälder dominieren auf Standorten mit ständig hoch anstehendem Grundwasser. Sie sind kleinflächig in ganz NRW verbreitet. Größere Flächen sind zwischen Espelkamp und Minden, im Münsterland und dem Niederrheinischen Tiefland (Donkenlandschaft) anzutreffen.

 

Waldtypen in NRW und ihre Flächenausstattung

Fläche

ursprünglich

aktuell

Verlust

Waldtyp

ha

%

ha

%

ha

%

Waldmeister-/Zahnwurz-Buchenwälder

261.200

7,7

71.500

8,1

189.700

72,6

Flattergras-Buchenwälder

164.200

4,8

42.100

4,8

122.100

74,4

Hainsimsen-Buchenwälder

740.900

21,7

374.600

42,6

366.300

49,4

Montane Buchenwälder teils mit Fichte

172.100

5,1

122.500

13,9

49.600

28,8

Eichen-Birkenwälder teils mit Kiefer

14.700

0,4

8.200

0,9

6.500

44,2

Eichen-Buchenwälder

696.600

20,5

115.700

13,3

580.900

83,4

Drahtschmielen-Buchenwälder

559.100

16,5

49.700

5,6

509.400

91,1

Stieleichen-Hainbuchenwälder

196.100

5,8

28.700

3,3

167.400

85,4

Wälder der Bach- und Stromauen

519.900

15,3

52.100

5,9

467.800

90,0

Moore und Bruchwälder

29.700

0,9

4.700

0,5

25.000

84,2

Abgrabung / Aufschüttung *

43.400

1,3

10.000

1,1

33.400

77,0

Summe **

3.397.900

100

879.800

100

2.518.100

 

* eine eindeutige Zuordnung zu natürlichen Waldtypen ist auf diesen Flächen nicht möglich
** ohne Wasserflächen