Neuartigen Waldschäden („Waldsterben")

Seit langem sind die negativen Auswirkungen von bestimmten Gewerbebetrieben auf die angrenzenden Wälder bekannt. Geschichtlich belegt sind solche „Rauchschäden" bereits im 14. Jahrhundert. Eine starke Verbreitung fanden sie in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert durch die zunehmende Industrialisierung. Wesentliches Merkmal der damaligen Rauchschäden ist, dass sie im Nahbereich von emittierenden Anlagen auftraten und einer Verschmutzungsquelle zugeordnet werden konnte.
Seit Mitte der 1970er Jahre stellt man eine starke Verbreitung von Waldschäden auch in industriefernen Gebieten fest. Es begann mit großflächigen Erkrankungen der hauptsächlich in Süddeutschland vorkommenden Weißtanne. Zu Beginn der 1980er Jahre traten auch massive Schädigungen an Fichte, Kiefer, Buche, Eiche und anderen Baumarten auf. Hervorgerufen werden diese sogenannten „neuartigen Waldschäden" (Waldsterben) im wesentlichen durch Luftschadstoffe, die die Vitalität der Bäume und damit deren Widerstandskraft gegen Witterungsextreme, Krankheitserreger und Schadinsekten herabsetzen. Es kommt zudem zu Veränderungen im Waldboden (Bodenversauerung), wodurch die Verfügbarkeit und Aufnahmefähigkeit (Wurzelschäden) von Nährstoffen sowie die Standfestigkeit der Bäume vermindert werden. Immense Investitionen in modernste Umwelttechnik konnten zwar die Emissionen von Kraftwerken und Industrieanlagen drastisch reduzieren, doch diese Erfolge der Luftreinhaltung werden durch den Schadstoffausstoß des zunehmende Straßenverkehrs zunichte gemacht.
Der aktuelle Waldzustand wird in Deutschland seit 1984 jährlich nach einem einheitlichen Stichprobenverfahren erhoben. Der äußerlich sichtbare, aktuelle Kronenzustand als Spiegelbild des Gesundheitszustandes wird dabei an dauerhaft markierten Stichprobenbäumen festgestellt. Mit Hilfe der jährlichen Waldzustandserhebung können Zeitreihen erstellt werden, womit schleichende Veränderungen in den Wald-Ökosystemen erkannt und nachgewiesen werden können.
Der Kronenzustand aller Probebäume - insbesondere der Nadel/Blattverlust - wird jeweils in der Zeit von Mitte Juli bis Ende August durch geschultes Forstpersonal eingeschätzt und einer Schadstufe zugeordnet:

Schadstufe Nadel-/Blattverlust Klassifizierung

        0

        0 bis 10 %

Ohne Schadensmerkmale

        1

      11 bis 25 %

Schwach geschädigt

        2

      26 bis 60 %

Mittelstark geschädigt

        3

      61 bis 99 %

Stark geschädigt

        4

          100 %

abgestorben

Der aktuelle NRW-Waldzustandsbericht wird jeweils im November veröffentlicht und von der SDW mit einer Pressemitteilung bewertet.

 

Waldkalkung

Als Kompensationsmaßnahme gegen die neuartigen Waldschäden werden die Wälder in NRW seit 1984 gekalkt, wobei die Kalkungsfläche angesichts begrenzter finanzieller Mittel stark zurück gegangen ist. Hierbei handelt es sich um keine Düngung, sondern um eine Stabilisierungsmaßnahme, um einen weiteren Säureeintrag abzupuffern.
Die Notwendigkeit der Waldkalkung ergibt sich nach Auffassung der SDW allein schon aus den Ergebnissen der landesweiten Bodenzustandserhebung. Hierzu heißt es im Landeswaldbericht 1996: „Eine Basensättigung von 15 % wird auf 77 % der Landesfläche nicht erreicht. Auf dieser Fläche ist die Waldkalkung zur Stabilisierung des Waldökosystems angezeigt." Aber nicht nur zur Stabilisierung der Waldökosysteme, sondern v.a. auch aus Gründen des Grundwasserschutzes forderte die SDW wiederholt die Landesregierung dazu auf, ausreichend Fördermittel für die Waldkalkung bereitzustellen und dieser präventiven Maßnahme Vorrang einzuräumen.
Auch in punkto Effizienz der Waldkalkung bezieht der Landeswaldbericht eindeutig Position: „Die Ergebnisse der Effizienzkontrolle der Waldkalkung zeigen, dass die Waldkalkung zu einer erhöhten Basensättigung der Humusauflage und der Oberböden führt, erhöhte und deutlich gesteigerte Ca-Gehalte der Bodenlösung bis zu einer Tiefe von 90 cm bewirkt und damit das Risiko einer toxischen Wirkung von Aluminium auf Pflanzenwurzeln und Bodentiere vermindert. Durch die Kalkung wird die Zersetzung der organischen Substanz gefördert, die Ernährung der Waldbäume verbessert und damit die ökologische Stabilität erhöht. Negative Effekte der Kalkung, z. B. hohe Nitratausträge mit dem Sickerwasser wurden auf den vollbestockten Versuchsflächen nicht beobachtet". Die Notwendigkeit und Wirksamkeit der Waldkalkung sind also erwiesen.