Der
Wisent (Bison bonasus)
Der Wisent ist das
größte und schwerste europäische Landsäugetier und zudem der letzte
Vertreter der Wildrindarten des europäischen Kontinents. Er darf weder
mit dem bereits Anfang des 17. Jahrhunderts ausgestorbenen Auerochsen
(Bos primigenius = Stammvater des Hausrindes) noch mit dem nordamerikanischen
Bison (Bison bison) - dem "Indianerbüffel" - verwechselt werden.
Systematisch
gehört der Wisent zur Familie der Bovidae (Hornträger) und zur Unterfamilie
der Bovinae (Rinder), die vier Gattungen umfasst: Asiatische Büffel
(Bubalus), Afrikanische Büffel (Syncerus), Eigentliche Rinder
(Bos)
und Bisons/Wisente (Bison). Wisent und Bison werden z.T. zu einer Art
zusammengefasst, da sie uneingeschränkt fruchtbar gekreuzt werden können
und sie zudem beide auf den einst in Nordindien lebenden Bison silvalensis
zurückzuführen sind. Beim Wisent werden heute zwei Unterarten unterschieden,
nämlich der Flachland-Wisent (Bison bonasus bonasus) und der Berg- oder
Kaukasus-Wisent (Bison bonasus caucasicus).
Der Wisent ist ein Bewohner
der Mischwälder, der je nach Jahreszeit in unterschiedlich großen Herden
von 6 bis 30 Tieren lebt, wobei die Herden von einer Leitkuh geführt
werden. Mit 8 bis 9 Jahren ist er voll erwachsen und ein männliches
Tier kann ein Körpergewicht von 1.000 kg bei einer Größe von bis zu
3 Metern erreichen. Sein Höchstalter wird mit bis zu 30 Jahren angegeben.
1755 wurde der letzte in Deutschland freilebende Wisent in Ostpreußen
gewildert, 1919 war er auch in Bialowieza/Polen ausgerottet. Auf einem
internationalen Naturschutzkongress 1923 in Paris forderten die Vertreter
Polens alle in Frage kommenden Staaten auf, sich an der Erhaltung des
Wisent zu beteiligen. Daraufhin wurde im August 1923 im Berliner Zoo
die "Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisent" mit Sitz
in Frankfurt am Main gegründet. Zunächst wurden alle in Gefangenschaft
noch vorhandenen reinblütigen Wisente erfasst mit dem Ergebnis, dass
1924 nur noch 54 Wisente in den europäischen Zoologischen Gärten und
Tierparks lebten. Da ein Teil von Ihnen aus Krankheits-, Alters- o.a.
Gründen nicht mehr an der Fortpflanzung teilnehmen konnten, blieben
nur noch 12 fortpflanzungsfähige Tiere (5 Bullen, 7 Kühe) übrig. Der
Bergwisent war in seiner reinblütigen Form erloschen - nur ein Bulle,
der 1907 im Kaukasus geboren und 1908 nach Deutschland verbracht wurde
- überlebte (im Tierpark Boitzenburg).
Die eingeleiteten Schutzbemühungen
haben dazu geführt, dass 1956 im Urwaldgebiet von Bialowieza (Polen)
die ersten Wisente wieder in die freie Wildbahn gelangten; dort lebt
in einem Waldgebiet von 50.000 ha die heute größte Herde mit ca. 250
Tieren. Der Weltbestand beträgt z.Z. über 3.000 Tiere, von denen rund
60% in freien Herden leben.
Obwohl der Wisent derzeit nicht akut vom
Aussterben bedroht ist, kann der Erhalt jedoch nicht als gesichert gelten,
denn es machen sich aufgrund unzureichenden Gen-Austausches zunehmend
Inzuchterscheinungen breit. Hieraus resultiert auch die mangelnde Immunität
gegenüber Krankheiten wie der Maul- und Klauenseuche oder dem Herpes-Virus,
welcher zur Zeugungsunfähigkeit führt. Darüber hinaus gefährden unzureichende
Kontrollen und fehlender Informationsaustausch die reinblütige Nachzucht
des Wisent.
Nach Polen und der Ukraine weist Deutschland mit rund 450
Tieren - verteilt auf 75 Tierparke und Wildgehege - den drittgrößten
Wisentbestand auf. In NRW gibt es 14 Einrichtungen mit über 80 Tieren,
wobei das Gehege der Landesforstverwaltung in Hardehausen derzeit die
größte Herde stellt. Bei verschiedenen Naturschutzprojekten - auch in
NRW, z.B. das Naturschutzgebiet "Brachter Wald" oder der angedachte
Nationalpark Nordeifel - wird der Einsatz von "Megaherbivoren" (= große
Pflanzenfresser; z.B. Rothirsch, Heckrinder, Konikpferd, Wisent) zum
Erhalt offener und halboffener Landschaften erwogen.
Ein wesentlicher
Bestandteil der Schutzbemühungen ist die Führung eines lückenlosen Wisentabstammungsbuches,
das erstmals 1932 in Deutschland erschien und seit 1947 in Polen geführt
und jährlich herausgegeben wird. Die Rückmeldung der Einrichtungen gerade
aus Deutschland ist in den letzten Jahren sehr lückenhaft, weshalb die
SDW/NRW im Jahr 2001 - in enger Kooperation mit dem polnischen Nationalpark
Bialowieza - die Aufgabe übernommen hat, den Wisentbestand im deutschsprachigen
Raum zu aktualisieren. Darüber hinaus wurde mit der polnischen Seite
vereinbart, dass die SDW/NRW in Nachfolge des WWF ab dem Jahr 2002 die
Herausgabe des Weltzuchtbuches finanziell fördert.
Mit dem Schreiben vom
04.11.01 hat NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn die Schirmherrschaft für
die Wisent-Initiative der SDW/NRW übernommen.
Das SDW-Engagement
richtet sich sowohl auf die Realisierung geeigneter Projekte
in NRW, als auch auf die Förderung des internationalen Schutzprogramms
und die Unterstützung des Nationalparks
Bialowieza/Polen.
Siehe
auch http://www.wisenthilfe.de