Bäume erzählen Geschichten - einige Beispiele:
Napoleonsbuche
in Lünen-Gahmen
Lüge oder
Legende? Das ist die Frage bei der Geschichte, die sich um die Napoleonsbuche
in Lünen-Gahmen rankt. Napoleon war 1812 nach dem verlorenen Russlandfeldzug
auf dem fluchtartigen Rückzug nach Frankreich durch Gahmen geritten. Erschöpft
und müde von der langen Reise fand der Feldherr an der Zwillingsbuche eine Bleibe
für die Nacht. Zwischen den beiden Stämmen soll sich der Kaiser zum Schlaf gebettet
haben. Kurz vor Sonnenaufgang soll Napoleon dann - ausgeruht und voller Tatendrang
- samt Pferd durch die beiden Stämme der Buche Richtung Westen weitergeritten
sein. Historiker bezweifeln, dass der kleingewachsene Kaiser wirklich durch
die beiden Stämme gesprungen ist. Doch die Legende überlebte alle Zweifel und
gab der Zwillingsbuche in Gahmen ihren Namen!
Alte
Femelinde in Dortmund-Großholthausen
Wo früher
Recht gesprochen wurde, schlüpfen seit Jahrzehnten Kaninchenfamilien unter:
Im Schatten der ausladenden Äste der mehr als 400 Jahre alten Femelinde in Großholthausen.
Denn in früheren Jahrhunderten wurde an und unter der Linde Recht gesprochen.
Der Holzrichter, der oberste Chef der Waldflächen von Großholthausen, war gleichzeitig
Besitzer des angrenzenden Hofes. Einmal im Jahr wurden Holzdiebstähle und Holzfrevel
geahndet. Die Justiz sorgte dafür, dass der Wald nicht von den Einheimischen
ausgebeutet und von Fremden ausgeplündert wurde. Den Begriff "Nachhaltigkeit"
kannten die Richter nicht. Doch sie waren die Ersten, die den Wald für spätere
Generationen erhalten wollten.
400
Jahre alter Walnussbaum in Feldhausen
Eigentlich stünde der alte Walnussbaum nicht mehr auf dem Hof Bernhard Miermann, Am Lemmhof. Denn im Ersten Weltkrieg fehlten den Militärs Waffen. Und so sollte das wertvolle Holz des Walnussbaums 1915 als Rohstoff für Gewehrschäfte dienen. Die Sägen waren schon geschärft, doch die Behörden bremsten die Kriegstreiber aus. Sie stellten den Baum einfach als Naturdenkmal unter Schutz. So konnte er nicht mehr "eingezogen" werden. Nach dem Krieg hat der seltene Baum auch mehrere Brände mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Heute zählt er zu den Exoten im Revier - nicht nur wegen seines Alters. Denn die Wärme liebenden Walnussbäume sind eigentlich am Rheingraben in Baden-Württemberg zu Hause. Die zähe Rinde zahlt sich aus: Weit und breit gibt es keinen Walnussbaum, der so alt ist.
Siebenschmerzenkapelle
im „Buchendom“
Im
Osten Gelsenkirchens, im Waldgebiet der Löchterheide befindet sich eine kleine
Kapelle, die den Sieben Schmerzen der Gottesmutter geweiht ist. Sie steht an
einem geschichtsträchtigen Ort, denn zwischen den Freiheiten Buer und
Westerholt gab es einen jahrhundertelangen, oft blutigen Streit um die Rechte an
der Löchterheide. Wahrscheinlich zur Sühne für diese Bluttaten stiftete
Henrika von Aschebrock zu Schonebeck, Witwe des 1707 verstorbenen Heinrich
Bernhard von Westerholt, das 1723 unter dem „Buchendom“ an der Stelle der
blutigen Auseinandersetzungen errichtete Waldkapellchen.
Bis heute kursiert aber noch eine zweite Sage über die Hintergründe der
Errichtung dieser Kapelle: Danach hat die Burggräfin von Westerholt diese als Sühne
für das letzte, von ihrem Gatten gefällte Hexenurteil erbauen lassen. Die
Hinrichtung einer gewissen „Hexenänneken“ Anna Spiekermanns aus Buer-Sutum
erfolgte jedoch unweit vom Erker des Torbaues am Schloß Westerholt und es ist
eher unwahrscheinlich, dass eine Sühnekapelle so weit ab von der Richtstätte
erbaut wurde.
Interessant ist im Zusammenhang mit dem „Buchendom“ ein Bericht aus der „Vestischen
Zeitschrift“ von 1939, in der es heißt:“ Als Prinz Soubise im Jahre
1761, um sich an dem Westerholter Burggrafen für dessen Widerstand zu rächen,
den Befehl gab, den äußerst wertvollen Holzbestand des östlich der Freiheit
Buer gelegenen Linnefants zu schlagen, da wagten die Franzosen es nicht, die
Baumriesen jenes Buchendomes mit freventlicher Hand anzutasten, unter dem sich
das kleine Waldkapellchen der sieben Schmerzen Mariä versteckt“. Bis
heute sind - nordöstlich der Kapelle - acht dieser mächtigen Buchen erhalten
geblieben.
Die
Siebenschmerzenkapelle wurde im November 1940 durch eine Windhose zerstört,
1948 von Westerholter Kolpingsöhnen wieder aufgebaut und befindet sich nach wie
vor im Besitz des Grafen von Westerholt.
Süntelbuche
im Schloßpark Weitmar
Bis
vor zwei Jahren stand sie noch an der Südostecke der alten Schlossruine in
Bochum-Weitmar: eine über 250 Jahre alte Süntelbuche.
Süntelbuchen sind eine natürliche, aber seltene Wuchsform unserer heimischen
Rotbuche. Der Name „Süntelbüche“ rührt wahrscheinlich von ihrem ehemals
größeren Vorkommen im Süntel und Deister (Weserbergland, etwa 20 bis 50 km südwestlich
von Hannover) her. Gegenüber der „Normalform“ der Rotbuche ist die
Wuchsrichtung der Leittriebe seit frühester Jugend stärker waagerecht als
aufrecht, die Verzweigungsachsen sind häufig korkenzieherartig gedreht und
zeigen Knick- und Schleifenwuchs. Zumeist hat sie nur einen kurzen Schaft, eine
breit ausladende, zeltartige Krone und eine vergleichsweise geringe Höhe. Als
sogenanntes „Teufels- oder Krüppelholz“ wurden die Süntelbuchen im Wald
schon im Mittelalter weitgehend verdrängt.
Die Überreste dieser Süntelbuche befindet sich in unmittelbarer Nähe des
ehemaligen Rittersitzes „Haus Weitmar“. Das Rittergut wurde 1592 von Johann
von Hasenkamp auf dem Gelände eines ursprünglichen, bereits im 11. Jahrhundert
erwähnten Bauerngehöftes – dem Schultenhof, der zusammen mit dem Weitmarer
Holz zur Abtei Werden gehörte und als Lehnsbesitz vergeben wurde - erbaut. Bei
einem Fliegerangriff am 13. Mai 1943 wurde Haus Weitmar bis auf die
Umfassungsmauern zerstört. Erhalten geblieben sind im Schlosspark eine
stattliche Zahl von zum Teil jahrhundertealten Bäumen, die als Naturdenkmale
ausgewiesen sind.
Die
Winterlinde neben dem Kriegerdenkmal am Kastell Holten im Norden von Oberhausen
ist als Naturdenkmal ausgewiesen. Der Baum ist innen hohl, hat ausgeprägte
Morschungen und ist in seiner Standfestigkeit eingeschränkt, weshalb viele
Starkäste gekappt werden mussten. Noch im Oberhausener Heimatbuch aus dem Jahre
1964 heißt es zum Kastell Holten: „Umgeben von hochragenden Pappeln und
der prächtigen, fast 1000jährigen Lindengruppe, vermittelt das Kastell dem
Betrachter einen lebendigen Eindruck und lässt seine einstige Wucht und Schönheit
erkennen“.
Geschichtlich wird 1307 darüber berichtet, dass Engelbert von der Mark einen
„neuen Bau“ in Holten errichtet. Die Grafen von der Mark waren im
Grenzstreit um das Holtener Land – der Ort Holten erhielt 1310 die Stadtrechte
– Sieger geblieben gegen die Grafschaft Kleve. Sie bauten das Kastell und
stationierten dort Grenzwachen.
Der heute zu sehende Backsteinbau ist
wahrscheinlich der Ostflügel der im 16. Jahrhundert erneuerten Hauptburg.
Genutzt wird das Kastell – zugleich Wahrzeichen Holtens - als Versammlungsstätte
der Schützengilde, die bereits im Jahre 1439 erstmals urkundlich erwähnt
wurde.
Vier
Linden als Namenspate für Walsumer Stadtteil
An
der ehemaligen Provinzialstrasse – heute Friedrich-Ebert-Strasse – in Walsum
gab es ein altes, bäuerliches Wirtshaus, der sogenannte Feldmanns-Hof. Vier große
Linden prägten das Gesamtbild in dem weitgehend unbebauten Umfeld, weshalb man
in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts den Namen des Wirtshauses in „Zu den
vier Linden“ abänderte und den Hof allgemein Vierlinden-Hof nannte.
Nach dem ersten Weltkrieg entstand durch die Thyssen-Hütte Hamborn in Walsum
eine große Wohnkolonie und es musste auch Wohnraum geschaffen werden für Flüchtlinge
aus Oberschlesien und Elsaß-Lothringen. Es entstand ein neuer Ortsteil von
Walsum, der den Namen Vierlinden erhielt. Die Gaststätte existiert bis heute
unter der Bezeichnung „Zu den vier Linden“, obwohl nur noch zwei Linden
erhalten geblieben sind.